
Was ist Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)?
Speiseröhrenkrebs zählt weltweit zu den zehn häufigsten Krebsarten und macht rund 3,1 % aller neuen Krebserkrankungen aus. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO, GLOBOCAN 2020) wurde im Jahr 2020 weltweit bei rund 604.000 Menschen Speiseröhrenkrebs neu diagnostiziert.
Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein muskulärer Hohlschlauch, durch den die Nahrung vom Mund und Rachen in den Magen gelangt. Ihre Innenfläche ist mit einer Schleimhaut (Epithel) ausgekleidet; nach außen folgen glatte Muskulatur und Bindegewebe, die den Weitertransport der Nahrung ermöglichen. Die Speiseröhre ist etwa 2 cm breit und 25–30 cm lang. Wie andere Krebsarten entsteht auch Speiseröhrenkrebs, wenn Zellen der Speiseröhre abnorm und unkontrolliert wachsen. Meist beginnt die Erkrankung in den Zellen der inneren Schleimhautschicht.
Welche Arten von Speiseröhrenkrebs gibt es?
Je nach Zellart, von der der Tumor ausgeht, unterscheidet man zwei Hauptformen.
Plattenepithelkarzinom
Der Tumor entsteht in den sogenannten Plattenepithelzellen, die die Innenfläche der Speiseröhre auskleiden. Diese Form tritt vor allem im oberen und mittleren Abschnitt der Speiseröhre auf.
Adenokarzinom
Schleim (Mukus) erleichtert den Transport der Nahrung. Das Adenokarzinom geht von schleimbildenden Drüsenzellen aus. Der Tumor liegt meist im unteren Abschnitt der Speiseröhre, also am Übergang zum Magen.
Welche Stadien hat Speiseröhrenkrebs?
Stadium I
Der Tumor ist auf die innere Schleimhaut der Speiseröhre begrenzt und hat sich nicht ausgebreitet.
Stadium II
Der Tumor ist bis in die Muskelschicht, eine äußere Wandschicht der Speiseröhre, vorgedrungen.
Stadium III
Der Tumor befindet sich weiterhin in der Speiseröhre, hat aber bereits benachbarte Lymphknoten befallen.
Stadium IV
Im fortgeschrittenen Stadium hat sich der Tumor auf andere Organe ausgebreitet, etwa auf Leber, Knochen, Lunge oder die Lymphknoten am Mageneingang.
Wer ist besonders häufig betroffen?
Eine einzelne eindeutige Ursache für Speiseröhrenkrebs gibt es nicht, wohl aber Faktoren, die das Risiko erhöhen:
Alter
Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere ab etwa 60–70 Jahren.
Geschlecht
Männer erkranken etwa doppelt so häufig an Speiseröhrenkrebs wie Frauen. Nach Angaben der WHO liegt dieser Anteil bei Männern bei 4,2 % und bei Frauen bei 2 %.
Übergewicht
Übergewicht ist – wie bei vielen anderen Krebsarten – auch für Speiseröhrenkrebs ein Risikofaktor.
Rauchen und Alkohol
Rauchen und Alkoholkonsum erhöhen das Risiko für Speiseröhrenkrebs. Auch sehr heiß getrunkene Getränke wie Tee oder Kaffee können ein Risikofaktor sein.
Barrett-Ösophagus infolge einer chronischen Refluxkrankheit
Als Barrett-Ösophagus bezeichnet man eine krankhafte Veränderung der Schleimhaut im unteren Abschnitt der Speiseröhre. Betroffene haben ein erhöhtes Krebsrisiko.
Familiäre Vorbelastung
Menschen, bei deren Verwandten ersten Grades Speiseröhrenkrebs aufgetreten ist, gehören zur Risikogruppe.
Verätzungen durch Säuren oder Laugen
Nach dem versehentlichen oder absichtlichen Verschlucken von Säuren oder Laugen besteht ein erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs.
Achalasie
Auch die Achalasie, eine Erkrankung mit ausgeprägten Schluckstörungen, erhöht das Risiko.
Welche Symptome treten bei Speiseröhrenkrebs auf?
Der Verdacht auf Speiseröhrenkrebs ergibt sich meist aus den Beschwerden der Patientinnen und Patienten. Treten einige der folgenden Symptome auf, sollte an Speiseröhrenkrebs gedacht werden:
Schluckbeschwerden (Dysphagie) sind das häufigste Symptom. Anfangs bleibt vor allem feste Nahrung beim Schlucken in der Speiseröhre stecken; im weiteren Verlauf können Betroffene unter Umständen nicht einmal mehr Wasser trinken.
Erbrechen oder Hochwürgen geschluckter Nahrung
Schmerzen beim Schlucken
Gewichtsverlust
Sodbrennen
Schmerzen in der Brust
Anhaltender Schluckauf
Wie wird Speiseröhrenkrebs diagnostiziert?
Die erste Untersuchung ist häufig eine Röntgenaufnahme der Speiseröhre mit Kontrastmittel (Breischluck). Zusätzlich kann eine Spiegelung der Speiseröhre (Endoskopie) erfolgen, um Veränderungen oder Reizungen der Schleimhaut festzustellen.
Um die Ausbreitung der Erkrankung zu bestimmen oder den Verlauf nach der Behandlung zu kontrollieren, kommen bildgebende Verfahren wie die Endosonographie (endoskopischer Ultraschall), die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zum Einsatz.
Wie wird Speiseröhrenkrebs behandelt?
Die wirksamste Behandlung ist die Operation. Weitere Therapieverfahren sind Chemotherapie und Strahlentherapie.
Wegen ihrer Lage und der engen Nachbarschaft zu vielen lebenswichtigen Organen und Gefäßen sind Eingriffe an der Speiseröhre anspruchsvoller als viele andere Operationen. Je nach Lage des Tumors kommen unterschiedliche Operationsverfahren zum Einsatz:
Bei Tumoren in unmittelbarer Nähe des Magens wird über einen Schnitt im Bauch- oder Brustraum nur der untere Teil der Speiseröhre entfernt. Anschließend wird der Magen im Brustraum mit dem verbliebenen Teil der Speiseröhre verbunden.
Bei einem anderen Verfahren wird die gesamte Speiseröhre entfernt. Danach wird aus dem Magen oder dem Dickdarm eine neue Speiseröhre gebildet. Da es sich um einen großen Eingriff handelt und die Betroffenen meist älter sind und häufig weitere Erkrankungen haben, kann die Zeit nach der Operation belastend sein. Deshalb ist eine sehr sorgfältige Vorbereitung auf die Operation wichtig. Abhängig vom feingeweblichen (pathologischen) Befund des entfernten Gewebes kann anschließend zusätzlich eine Strahlen- oder Chemotherapie erfolgen.
In frühen Stadien kann statt der vollständigen Entfernung der Speiseröhre unter Umständen nur der erkrankte Bereich endoskopisch entfernt werden.
Was ist möglich, wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist?
In manchen Fällen kann der Tumor in der Speiseröhre nicht entfernt werden. Die häufigsten Gründe sind:
Der Allgemeinzustand lässt einen so großen Eingriff nicht zu.
Der Tumor ist operativ nicht entfernbar.
Der Krebs hat bereits Metastasen in entfernten Organen gebildet.
Bleibt der Tumor an Ort und Stelle, kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern oder den Tumor zu verkleinern. Damit die Ernährung gesichert bleibt, kann ein endoskopischer Stent durch den Tumorbereich eingelegt oder eine Ernährungssonde direkt in den Magen gelegt werden (Gastrostomie, z. B. PEG-Sonde).
Worauf sollte man nach einer Operation bei Speiseröhrenkrebs achten?
Nach der Operation sind folgende Punkte wichtig:
Achten Sie auf Ihre Ernährung und essen Sie die Lebensmittel, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt empfiehlt.
Meiden Sie Zucker.
Verzichten Sie auf säurehaltige Getränke.
Sorgen Sie für einen guten, regelmäßigen Schlaf.
Machen Sie regelmäßig die empfohlenen Übungen.
Essen Sie mehrmals täglich kleine Portionen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Fachabteilung ist bei Speiseröhrenkrebs zuständig?
Bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs ist die Allgemeinchirurgie die erste Anlaufstelle. Die Behandlung erfolgt jedoch interdisziplinär: In der Regel arbeiten Thoraxchirurgie, Gastroenterologie und Onkologie eng mit der Allgemeinchirurgie zusammen; die Ernährungsberatung unterstützt den Behandlungsprozess.
Was passiert, wenn Speiseröhrenkrebs nicht behandelt wird?
Speiseröhrenkrebs verläuft aggressiv. Unbehandelt kann die Erkrankung zum Tod führen.
Wie sollten sich Menschen mit Speiseröhrenkrebs ernähren?
Die Ernährung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. In frühen Stadien ist meist eine normale Ernährung möglich. Bei fortgeschrittenem Krebs kommt es jedoch zu Schluckbeschwerden; dann wird empfohlen, flüssige Trinknahrung zu sich zu nehmen, scharf gewürzte Speisen zu meiden, Speisen gut durchzugaren und in kleinen Bissen zu schlucken.
Patientinnen und Patienten unter Chemotherapie sollten auf Grapefruit verzichten, da sie die Wirkung mancher Medikamente verändern kann.
Kann Speiseröhrenkrebs zurückkehren?
Ja, Speiseröhrenkrebs kann erneut auftreten (Rezidiv) – im benachbarten Gewebe oder in anderen Bereichen wie dem Brustkorb oder der Leber.
Ist der Barrett-Ösophagus eine Krebserkrankung?
Der Barrett-Ösophagus ist eine krankhafte Veränderung der Schleimhaut im unteren Abschnitt der Speiseröhre. Wichtigste Ursache ist eine langjährige Refluxkrankheit, insbesondere in Kombination mit hohem Alkohol- und Tabakkonsum. Der Barrett-Ösophagus ist kein Krebs, aber ein wichtiger Risikofaktor für Speiseröhrenkrebs.
Beginnen Sie mit der richtigen Abklärung bei Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom): Symptome und Behandlung
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Hinweis
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