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Krankheitsratgeber

Lippenkrebs: Symptome, Stadien und Behandlung

Eine Wunde, Kruste oder Verhärtung an der Lippe, die nicht abheilt, kann ein erstes Anzeichen von Lippenkrebs sein. Symptome, Stadien, Operation und Nachsorge.

Lippenkrebs: Symptome, Stadien und Behandlung

Eine Wunde an der Lippe, die seit Wochen nicht abheilt, eine Stelle, die verkrustet, abfällt und wieder verkrustet, oder eine kleine, schmerzlose Verhärtung – solche Veränderungen werden oft nicht ernst genommen. Man hält sie für Lippenherpes, eine Aphthe oder einen Sonnenbrand, doch manchmal sind sie die ersten Anzeichen von Lippenkrebs. Die gute Nachricht: Da Lippenkrebs an einer gut sichtbaren Stelle entsteht, wird er meist früh bemerkt, und die große Mehrheit der Patienten, die im Frühstadium behandelt werden, wird vollständig geheilt.

Was ist Lippenkrebs?

Lippenkrebs ist ein bösartiger Tumor, der in der Haut der Lippe oder im Lippenrot entsteht. Er gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen im Mundbereich und tritt überwiegend bei Menschen über 50 auf, die viele Jahre lang viel Sonne abbekommen haben. Etwa 90 % der Fälle betreffen die Unterlippe, weil sie dem Sonnenlicht direkt ausgesetzt ist.

Die allermeisten Lippenkarzinome sind Plattenepithelkarzinome. Diese Form tritt vor allem an der Unterlippe auf und kann sich unbehandelt in die Lymphknoten am Hals ausbreiten. An der Oberlippe findet sich dagegen häufiger ein Basalzellkarzinom (Basaliom). Das Basalzellkarzinom wächst langsam und bildet nur selten Metastasen in entfernten Körperregionen. Melanome und Tumoren, die von den Speicheldrüsen ausgehen, sind an der Lippe sehr selten.

Lippenkrebs: Was sind die ersten Anzeichen?

Lippenkrebs beginnt meist unauffällig. Anfangs verursacht er keine Schmerzen, und die Veränderung sieht aus wie eine aufgesprungene Lippe oder ein Lippenherpes, der einfach nicht weggeht. Die häufigsten Symptome sind:

  • eine Wunde oder ein Riss, der nach zwei bis drei Wochen nicht verheilt ist

  • eine Stelle, die verkrustet, beim Ablösen der Kruste blutet und dann erneut verkrustet

  • ein weißer oder roter, rauer Fleck im Lippenrot

  • eine tastbare Verhärtung, Verdickung oder ein kleiner Knoten

  • eine verwaschene Grenze zwischen Lippenrot und Haut

  • im späteren Verlauf Taubheitsgefühl oder Schmerzen an der Lippe oder eine tastbare Schwellung unter dem Kinn

Lippenkrebs an der Unterlippe: Symptome

An der Unterlippe beginnt der Krebs meist in der Mitte oder seitlich als trockene, rissige Stelle, die sich immer wieder schuppt. Darauf bildet sich mit der Zeit eine Wunde mit leicht erhabenen Rändern, die zunehmend hart wird. Wer Pfeife oder Zigarette immer an derselben Stelle hält, entwickelt den Tumor oft genau dort. Dem Unterlippenkrebs geht häufig eine aktinische Cheilitis voraus, eine chronische, sonnenbedingte Schädigung der Lippe. Ist die Lippe ständig trocken, schuppt sie sich oder verfärbt sie sich weißlich, sollte ein Hautarzt sie untersuchen.

Lippenkrebs an der Oberlippe: Symptome

Tumoren der Oberlippe entstehen überwiegend in der Haut oberhalb der Lippe, nahe der Nase. Typisch ist ein kleines, perlmuttartig glänzendes Knötchen, das mit der Zeit in der Mitte einsinkt und leicht blutet. Weil es langsam wächst, wird es oft jahrelang für einen Pickel oder ein Muttermal gehalten. Tumoren in diesem Bereich verhalten sich wie Hautkrebs; mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite zu Hautkrebs.

Lippenherpes, Aphthe oder Lippenkrebs?

Die meisten Wunden an der Lippe sind harmlos. Die folgende Tabelle hilft bei der Unterscheidung, eine sichere Diagnose ist aber nur durch eine ärztliche Untersuchung und gegebenenfalls eine Biopsie möglich.

Lippenherpes

Aphthe

Lippenkrebs

Wo tritt er auf?

Am Lippenrand, am Übergang von Lippe zu Haut

An der Innenseite der Lippe, im Mund

Meist an der Außenseite der Unterlippe

Wie beginnt er?

Brennen, Kribbeln, danach kleine Bläschen

Runde Wunde mit weiß-gelblichem Belag und rotem Rand

Trockenheit, Krusten, eine Wunde, die sich verhärtet

Schmerzen

Ja

Deutlich, beim Essen stärker

Anfangs meist keine

Wie lange dauert er?

7–10 Tage

1–2 Wochen

Heilt nicht von selbst ab, wächst langsam

Kommt er wieder?

Kann an derselben Stelle wiederkehren

Kann an anderen Stellen wiederkehren

Scheint abzuheilen und bricht an derselben Stelle wieder auf

Kurz gesagt: Jede Wunde an der Lippe, die länger als drei Wochen besteht und sich mit Cremes nicht bessert, sollte ärztlich untersucht werden.

Wie entsteht Lippenkrebs?

Die wichtigste Ursache ist Sonnenlicht. UV-Schäden summieren sich über die Jahre und verändern die DNA der Zellen in der Lippe. Deshalb tritt Lippenkrebs bei Menschen, die im Freien arbeiten – etwa in der Landwirtschaft, in der Fischerei oder auf dem Bau –, häufiger auf. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Rauchen von Zigaretten und Zigarren, vor allem aber Pfeiferauchen

  • Kautabak und hoher Alkoholkonsum (das Risiko steigt in Kombination mit Tabak deutlich an)

  • helle Haut, die schnell einen Sonnenbrand bekommt

  • männliches Geschlecht und ein Alter über 50 Jahre

  • Einnahme von Immunsuppressiva, etwa nach einer Organtransplantation oder aus anderen Gründen

  • frühere Hautkrebserkrankung

  • seit Langem bestehende aktinische Cheilitis

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine der wirksamsten Maßnahmen, um das Risiko für Lippen- und Mundkrebs zu senken. Unterstützung dabei bietet Ihnen unsere Raucherentwöhnungssprechstunde.

Wie wird Lippenkrebs diagnostiziert?

Bei der Untersuchung werden die Lippe, die Mundhöhle und die Lymphknoten am Hals sorgfältig untersucht. Aus dem verdächtigen Bereich wird unter örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe für eine Biopsie entnommen; die Diagnose wird durch die feingewebliche Untersuchung gesichert. Bestätigt sich der Krebsverdacht, können ein Ultraschall des Halses, eine CT oder eine MRT veranlasst werden, um die Tiefe des Tumors zu bestimmen und eine Ausbreitung in die Lymphknoten zu erkennen. Bei großen Tumoren kommt auch eine PET-CT infrage.

Lippenkrebs: die Stadien

Das Stadium richtet sich nach der Größe des Tumors, danach, ob er in umliegendes Gewebe eingewachsen ist, und nach dem Befall der Lymphknoten.

Stadium

Befund

Stadium 0

Krebszellen nur in der obersten Schicht (Carcinoma in situ)

Stadium 1

Tumor 2 cm oder kleiner, keine Ausbreitung in die Lymphknoten

Stadium 2

Tumor 2–4 cm, keine Ausbreitung in die Lymphknoten

Stadium 3

Tumor größer als 4 cm oder Ausbreitung in einen einzelnen Lymphknoten auf derselben Seite

Stadium 4

Tumor in Nachbarstrukturen wie Knochen oder Nerven eingewachsen, Ausbreitung in mehrere Lymphknoten oder in entfernte Organe

Lippenkrebs im Stadium 1 lässt sich am besten behandeln. In diesem Stadium ist der Tumor auf die Lippe begrenzt und kann oft mit einer einzigen Operation vollständig entfernt werden. Eine weitere Behandlung ist dann unter Umständen nicht nötig.

Ist Lippenkrebs tödlich? Heilungschancen

Lippenkrebs hat unter allen Kopf-Hals-Tumoren eine der besten Prognosen. Wird er behandelt, bevor er die Lymphknoten erreicht, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei über 90 %. Diese guten Aussichten setzen allerdings voraus, dass die Erkrankung früh erkannt wird. Tumoren, die jahrelang unbeachtet bleiben, können in die Lymphknoten am Hals streuen – dann wird die Behandlung aufwendiger und die Erfolgsaussichten sinken. Das größte Risiko ist deshalb, abzuwarten, weil es „ja nicht wehtut“.

Behandlung von Lippenkrebs

Die Behandlung wird gemeinsam von Fachärzten für Kopf-Hals-Chirurgie, Plastische Chirurgie und Strahlentherapie geplant – abhängig von Art, Größe und Lage des Tumors sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Operation

Die wichtigste Behandlung bei Lippenkrebs ist die Operation. Der Tumor wird mit einem Sicherheitsabstand von einigen Millimetern gesunden Gewebes entfernt. Nimmt er weniger als ein Drittel der Lippe ein, wird ein V- oder keilförmiges Stück herausgeschnitten (Keilexzision) und die Ränder werden direkt vernäht; so bleiben Funktion und Aussehen der Lippe weitgehend erhalten. Bei größeren Tumoren wird die Lippe mit Gewebe aus der Wange oder der gegenüberliegenden Lippe wiederaufgebaut. Diese Rekonstruktionen sind das Fachgebiet unseres Teams für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie. Bei manchen Basalzellkarzinomen kommt auch die Mohs-Chirurgie infrage: Dabei wird der Tumor Schicht für Schicht entfernt und jede Schicht sofort unter dem Mikroskop untersucht.

Haben sich Krebszellen in die Lymphknoten ausgebreitet oder ist der Tumor groß und tief, werden in derselben Operation auch die Lymphknoten am Hals entfernt (Neck Dissection).

Wie lange dauert eine Lippenkrebs-Operation?

Die Dauer hängt von der Größe des Tumors und der nötigen Rekonstruktion ab. Die Keilexzision eines kleinen Tumors im Frühstadium dauert meist 30–60 Minuten in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose, und der Patient kann oft noch am selben oder am nächsten Tag nach Hause. Eingriffe mit Lippenrekonstruktion durch Gewebetransplantation und Neck Dissection können 3–5 Stunden dauern und einen Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen erfordern.

Strahlentherapie und medikamentöse Behandlung

Kommt eine Operation nicht infrage oder würde sie die Funktion der Lippe stark beeinträchtigen, kann die Strahlentherapie als Hauptbehandlung eingesetzt werden. Nach der Operation folgt eine zusätzliche Bestrahlung, wenn der Verdacht besteht, dass an den Schnitträndern Tumorgewebe verblieben ist, oder wenn befallene Lymphknoten gefunden wurden. Im fortgeschrittenen Stadium können Chemotherapie, zielgerichtete Medikamente oder eine Immuntherapie hinzukommen. Diese Behandlungen werden in unseren Abteilungen für Strahlentherapie und Onkologie geplant.

Kann Lippenkrebs von selbst heilen?

Nein, Lippenkrebs verschwindet nicht von allein. Salben, pflanzliche Mittel, Austrocknen oder Wegätzen können die Wunde an der Oberfläche vorübergehend schließen, zerstören aber nicht den darunterliegenden Tumor. Im Gegenteil: Sie verzögern die Diagnose und geben dem Tumor Zeit zu wachsen. Wirklich heilen lässt sich Lippenkrebs nur durch eine Operation oder Strahlentherapie nach gesicherter Diagnose. Im Frühstadium führt diese Behandlung meist schon beim ersten Mal zu einem dauerhaften Erfolg.

Nach der Lippenkrebs-Operation

In den ersten Tagen nach der Operation sind Schwellung, ein Spannungsgefühl und leichte Schmerzen an der Lippe normal. Die Schmerzen lassen sich meist mit einfachen Schmerzmitteln gut behandeln. Die Schwellung geht innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich zurück. Die Fäden werden nach etwa einer Woche gezogen.

  • Essen Sie in den ersten Tagen am besten lauwarme oder kalte, weiche Speisen, die sich leicht kauen lassen. Trinken mit einem Strohhalm schont die Lippe.

  • Achten Sie auf eine gute Mundhygiene und spülen Sie den Mund nach dem Essen sanft aus.

  • Rauchen Sie nicht, bis die Wunde verheilt ist: Rauchen verzögert die Heilung und erhöht das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt.

  • Bis die Narbe vollständig ausgereift ist – das dauert etwa ein Jahr –, sollten Sie die Lippe vor der Sonne schützen und einen Lippenpflegestift mit Lichtschutzfaktor verwenden.

Nach größeren Rekonstruktionen kann das Gefühl in der Lippe eine Zeit lang vermindert oder die Mundöffnung eingeschränkt sein. Das bessert sich meist im Laufe einiger Monate.

Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen nach der Behandlung sind sehr wichtig. In den ersten zwei Jahren finden sie häufiger statt, danach seltener. Dabei werden sowohl die Lippe als auch die Lymphknoten am Hals untersucht. Wer Lippenkrebs hatte, hat außerdem ein höheres Risiko für eine neue Krebserkrankung an anderer Stelle im Mund oder auf der Haut – auch die Hautkontrollen sollten daher nicht vernachlässigt werden.

Kann man Lippenkrebs vorbeugen?

Ein Großteil der Lippenkarzinome lässt sich vermeiden. Die einfachsten Maßnahmen: sich zwischen 11 und 16 Uhr, wenn die Sonne am stärksten ist, nicht lange im Freien aufhalten, einen Hut mit breiter Krempe tragen und tagsüber regelmäßig einen Lippenpflegestift mit Lichtschutzfaktor nachauftragen. Auch der Verzicht auf Zigaretten und andere Tabakprodukte, wenig Alkohol und eine frühzeitige Untersuchung jeder Veränderung an der Lippe, die nicht abheilt, senken das Risiko deutlich.

Lippenkrebs gehört in dasselbe Fachgebiet wie andere Krebserkrankungen der Mundhöhle und der Kopf-Hals-Region. Weitere Informationen finden Sie auf unseren Seiten zu Mundhöhlenkrebs und Kopf-Hals-Tumoren.

Häufige Fragen zu Lippenkrebs

Was ist das erste Anzeichen von Lippenkrebs?

Das häufigste erste Anzeichen ist eine Wunde oder ein Riss, der nach zwei bis drei Wochen nicht verheilt ist oder immer wieder verkrustet und aufbricht. Auch ein rauer weißer oder roter Fleck auf der Lippe und eine tastbare Verhärtung gehören zu den frühen Symptomen. Schmerzen bestehen anfangs meist nicht.

Ist Lippenkrebs tödlich?

Wird Lippenkrebs im Frühstadium behandelt, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei über 90 %. Tumoren, die lange unbehandelt bleiben, können in die Lymphknoten am Hals streuen, was die Behandlung erschwert. Wunden, die nicht abheilen, sollten deshalb früh untersucht werden.

Ist Lippenkrebs im Stadium 1 heilbar?

Ja. Im Stadium 1 ist der Tumor kleiner als 2 cm und hat sich nicht in die Lymphknoten ausgebreitet. Er lässt sich meist mit einer einzigen Operation vollständig entfernen, eine weitere Behandlung ist oft nicht nötig.

Wie lange dauert eine Lippenkrebs-Operation?

Die Keilexzision eines kleinen Tumors dauert in der Regel 30–60 Minuten. Operationen mit Rekonstruktion durch Gewebetransplantation und Entfernung der Halslymphknoten können 3–5 Stunden dauern.

Kann Lippenkrebs von selbst verschwinden?

Nein. Cremes oder pflanzliche Mittel können die Wunde an der Oberfläche vorübergehend schließen, beseitigen aber nicht den Tumor. Lippenkrebs wird mit einer Operation oder Strahlentherapie behandelt.

Gibt es einen Unterschied zwischen Lippenkrebs an der Oberlippe und an der Unterlippe?

Lippenkrebs an der Unterlippe ist häufiger, meist ein Plattenepithelkarzinom und eng mit der Sonneneinstrahlung verbunden. An der Oberlippe tritt eher ein Basalzellkarzinom auf, das langsam wächst und selten streut.

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