
Als unwillkürliche Bewegungen bei Kindern werden unausgeglichene und unkontrolliert auftretende Bewegungen bezeichnet, die im Kindesalter vor allem an Armen und Beinen, also an den oberen und unteren Körperextremitäten, auftreten. Diese Bewegungs- und Kontrollstörung kann auf einer Körperseite auftreten, ebenso kann sie beidseitig auftreten. Außerhalb der Extremitäten können unwillkürliche Bewegungen auch im Gesicht sowie beim Halten von Kopf und Hals im Gleichgewicht auftreten.
Was sind unwillkürliche Bewegungen?
Bewegungen, die nicht bewusst und kontrolliert zu einem bestimmten Zweck ausgeführt werden, können als unwillkürliche Bewegungen beschrieben werden. Unwillkürliche Bewegungen entstehen in der Regel aufgrund einer Beschwerde oder Anomalie im Körper. Neben dem fehlenden Kontrollvermögen über Arme und Beine gehören zu diesen Bewegungsstörungen auch unwillkürliches Kauen, Lachen, Blinzeln oder Grimassieren. Auch die Unfähigkeit, das Körpergleichgewicht zu halten, zählt zu den Bewegungsstörungen. Beim Gehen oder Stehen zu taumeln kann ebenfalls als Bewegungsproblem eingeordnet werden. Trauma und Stress sowie einige Erkrankungen, vor allem neurologische Probleme, gehören zu den am häufigsten beobachteten Ursachen dieser Bewegungsstörungen. Mit der richtigen Herangehensweise und Behandlung kann es zu einer Besserung kommen. Einige speziell definierte unwillkürliche Bewegungen lassen sich wie folgt beschreiben:
Kopfnicken: Kann nach vorne und hinten oder nach rechts und links beobachtet werden.
Schlafmyoklonus: Kann insbesondere in den ersten Stunden nach dem Einschlafen als plötzliche Bewegungen wie Zucken oder Aufschrecken beschrieben werden.
Jitteriness: Im Säuglingsalter auftretendes Zittern, das an Händen, Beinen, Kinn und Fingern auftreten kann. Es wird erwartet, dass es aufhört, wenn der Säugling hochgenommen wird.
Masturbation im Kindesalter: Kann in leichtem Erröten, Schwitzen, Verstummen und Reiben bestehen.
Paroxysmaler tonischer Blick nach oben: Im Säuglingsalter bleiben Augäpfel und Blick kurzzeitig an einem Punkt weiter unten hängen.
Sandifer-Syndrom: Kopfdrehung zur Seite bei zurückgezogenem Hals, die bei Säuglingen und Kindern mit Reflux beobachtet werden kann.
Benigner paroxysmaler Torticollis: Der Hals bleibt auf einer Seite fixiert bzw. bewegt sich fokussiert auf diese Seite, tritt von Zeit zu Zeit auf.
Anhaltende (nicht vorübergehende) Bewegungsstörungen: Dauerhaft ausgeführte und sich wiederholende Bewegungsstörungen. Sie können als Tic-Störung, Tourette-Syndrom, hyperkinetische (überschießende) oder hypokinetische (verlangsamte) Bewegungsstörungen beschrieben werden.
Was verursacht unwillkürliche Bewegungen bei Kindern?
Unwillkürliche Bewegungen bei Kindern können viele verschiedene Ursachen haben. Diese Ursachen, die sowohl angeboren bzw. körperlich bedingt als auch durch die Umwelt entstehen können, sind nachfolgend aufgeführt:
Bestimmte Medikamente: Insbesondere Arzneimittel, die das Nervensystem beeinflussen und die neuromuskuläre Verbindung anregen, können unwillkürliche Bewegungen verursachen. In diesem Fall, der zeitweise beobachtet werden kann, sollte der Arzt konsultiert und Dosis sowie Einnahmezeitpunkt des Medikaments angepasst werden.
Infektionen: Infektionen, die während einer Erkrankung oder auch rein bakteriell auftreten können, können aufgrund von Symptomen wie hohem Fieber ebenfalls unwillkürliche Bewegungen auslösen.
Bestimmte Erkrankungen: Unwillkürliche Bewegungen können angeboren, genetisch bedingt oder erst im Verlauf erworben entstehen. Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen, wie zerebrale Parese oder Autismus, können die Kontrolle von Muskeln und Nerven erschweren. Je nach betroffenem Hirnareal können diese Erkrankungen und Bewegungsstörungen in unterschiedlicher Art und Ausprägung auftreten.
Stress: Bei Kindern können zeitweise auftretende unwillkürliche Bewegungen stressbedingt entstehen. Insbesondere plötzlich auftretende und von außen gut erkennbare Bewegungsauffälligkeiten entstehen meist stressbedingt. Befindet sich das Kind im Schulalter, sollten an dieser Stelle Informationen von Lehrkräften und Schulpsychologen eingeholt werden; steht die Pubertät bevor, sollte die Möglichkeit einer psychologischen Unterstützung nicht außer Acht gelassen werden.
Was löst unwillkürliche Bewegungen aus?
Unwillkürlich ausgeführte Bewegungen können unterschiedliche auslösende Ursachen haben. Ein ursachenbezogener Ansatz und eine Behandlung führen zu dauerhafter Besserung. Kurzzeitige und nicht wiederkehrende Bewegungsauffälligkeiten verursachen zwar keine größeren Probleme, doch lang anhaltende Bewegungsunkontrolle kann negative Folgen haben. Steigt beispielsweise das Fieber infolge einer Infektion, verschwinden Zucken und Aufschrecken im Schlaf mit dem Abklingen der Infektion wieder. Liegt jedoch eine Erkrankung vor, die Muskeln und Nervensystem betrifft, wie zerebrale Parese, kann mit einem dem Alter des Kindes angepassten Bewegungsprogramm im Laufe der Zeit Kontrolle und Koordination der Bewegungen erreicht werden. So kann einer Schwächung des neuromuskulären Systems und einer Zunahme unwillkürlicher Bewegungen vorgebeugt werden. Darüber hinaus können viele weitere Faktoren wie hormonelle Störungen, ungesunde Ernährung sowie Vitamin- und Mineralstoffmangel auslösend wirken. Bei Stress- und traumabedingten unwillkürlichen Bewegungen ist die Zusammenarbeit mit einem Fachteam von großer Bedeutung. Kinderpsychologen, Pädagogen und andere Fachkräfte können mit dem richtigen Ansatz dabei helfen, Bewegungsstörungen zu überwinden.
Wie werden unwillkürliche Bewegungen behandelt?
Vorrangig ist die Diagnose durch den Kinderarzt und das Gesundheitsteam, das das Kind betreut, von Bedeutung. Die Ursache der unwillkürlichen Bewegungen muss ermittelt werden, und abhängig von den Faktoren sollte ein Behandlungsfahrplan erstellt werden. Je nach Ursache der Bewegungsstörungen lassen sich die Behandlungstechniken wie folgt auflisten:
Infektionsbedingte Bewegungsstörung: Zunächst wird vom Kinderarzt eine Behandlung geplant, die auf die Korrektur der Bakterien- und Mikroorganismenflora als Infektionsquelle abzielt. So wird die Bewegungsauffälligkeit des Kindes zugleich vom Facharzt beobachtet. An dieser Stelle ist es wichtig, keine wahllose Antibiotikatherapie zu verabreichen, und genau zu beobachten, welche Bewegung auffällig oder übertrieben ist. Bilden sich die während der Erkrankung auftretenden, eigentlich nur kurzzeitigen Bewegungsstörungen nicht zurück, muss unbedingt der Arzt informiert werden.
Stressbedingte unwillkürliche Bewegungen: Manchmal kann bei Kindern intensiver Stress entstehen, der entweder aus Problemen innerhalb der Familie resultiert oder dadurch bedingt ist, dass Stress im Schulalter nicht bewältigt werden kann. In dieser Phase sollte beim Auftreten von Tics, Sprechen im Schlaf oder anderen auffälligen Bewegungen umgehend Unterstützung beim Kinderarzt eingeholt werden. Das Kind muss unbedingt untersucht werden, und dem zuständigen Kinderarzt sind alle Bewegungen sowie gegebenenfalls eine vorhandene andere Krankengeschichte mitzuteilen. Anschließend sollte bei Bedarf psychologische Unterstützung in Anspruch genommen werden. Hält der Kinderarzt es für erforderlich, sollte auch die Unterstützung durch einen Kinderpsychiater nicht vernachlässigt werden. In diesem Prozess sollten eine sorgfältige Verlaufskontrolle, Beobachtung und Nachuntersuchungen fortgesetzt werden.
Durch zerebrale Parese bedingte unwillkürliche Bewegungen: Zerebrale Parese ist eine Erkrankung, die vor, während oder nach der Geburt entstehen kann und viele Bereiche des Gehirns betreffen kann. Insbesondere wenn das motorische Kontrollzentrum betroffen ist, benötigen Betroffene in vielen Bereichen wie Sprache, Kontrolle von Armen und Beinen sowie Koordination der Bewegungen eine Rehabilitation. Auch bei den durch zerebrale Parese bedingten Bewegungsstörungen ist, wie bei jeder Behandlung, eine frühzeitige Diagnose wichtig. Vor allem im Säuglingsalter sollten die Entwicklungsstadien des Babys verfolgt werden, und Bewegungen, die es nur schwer oder sehr spät ausführt, sollten bei den routinemäßigen Kontrollen dem Kinderarzt gemeldet werden. Nach der Diagnose sollen durch einen intensiven und regelmäßigen Physiotherapie- und Rehabilitationsprozess Bewegungs- und Entwicklungsstörungen möglichst minimiert werden.
Medikamentöse Behandlung: Bei unwillkürlichen Bewegungsproblemen, die psychischen Ursprungs sind oder infolge einer Erkrankung entstehen, können Medikamente unter ärztlicher Aufsicht und Kontrolle eingesetzt werden. Bei der medikamentösen Behandlung darf von den Empfehlungen des Arztes nicht abgewichen werden.
Häufig gestellte Fragen zu unwillkürlichen Bewegungen bei Kindern
Die erste Frage, die sich Familie und Umfeld von Kindern mit unwillkürlichen und abweichenden Bewegungen stellen, betrifft eine Hirnerkrankung. Da das Gehirn alle Muskeln und Systeme des menschlichen Körpers steuert, ist es natürlich normal, dass dies die erste Vermutung einer Anomalie ist. Viele unwillkürliche Bewegungen können ebenfalls auf Erkrankungen des Nervensystems wie zerebrale Parese, Epilepsie oder Autismus zurückzuführen sein. Jedoch ist nicht jede Bewegungsstörung ein Hinweis auf eine Hirnerkrankung; sie kann auch durch verschiedene Auslöser entstehen. Bei unwillkürlichen Bewegungen bei Kindern gibt es keine bestimmte Altersgrenze oder einen festen Beginn. Unwillkürliche Bewegungen und Bewegungsstörungen können ab dem Säuglingsalter in jedem Lebensalter auftreten. An dieser Stelle ist die Häufigkeit der Bewegungen, ihre Dauer und ihr Einfluss auf Gesundheit und Lebensqualität des Kindes entscheidend. Mit dem richtigen Ansatz können insbesondere vorübergehende unwillkürliche Bewegungen dauerhaft verbessert werden. Auf diese Weise kann sich die Lebensqualität sowohl des Kindes als auch der Eltern oder Betreuungsperson verbessern. Für einen möglichst idealen Krankheitsverlauf und einen ungestörten Alltag ist die Kontrolle über Körperbewegungen unerlässlich. Um als selbstständiger Mensch zu leben und sich klar ausdrücken zu können, müssen wir körperlich stark und gesund sein, was für viele wichtige Entwicklungsprozesse notwendig ist. Unwillkürliche Bewegungen können jedoch negative Folgen haben, da sie den täglichen Ablauf verändern. Ein Kind, dessen Schlaf jeden Tag durch Zucken und Aufschrecken unterbrochen wird, kann im Vergleich zu Gleichaltrigen eine Entwicklungsverzögerung erleben. Oder ein Kind mit zerebraler Parese, das seinen Arm nicht richtig bewegen kann, kann nicht allein essen und benötigt die Hilfe anderer. Um solche Probleme zu beseitigen, sind frühzeitige Diagnose und Behandlung notwendig. So kann die Beeinträchtigung lebenswichtiger Aktivitäten minimiert werden. Werden bei Kindern unwillkürliche Bewegungen beobachtet, ist die Begleitung durch Familie und Kinderarzt sehr wichtig. Besonders durch die Führung und Behandlung eines auf diesem Gebiet spezialisierten Arztes, der die Entwicklung des Kindes verfolgt, verläuft der Prozess am gesündesten. So bessern sich einerseits die Bewegungen des Kindes, andererseits steigt der Lebenskomfort der Familie und die psychische Belastung des Kindes sinkt. Auch Sie sollten bei Ihrem Kind auftretende unwillkürliche Bewegungen und andere Beschwerden nicht aufschieben: Suchen Sie für Informationen und einen Termin einen Arzt auf und machen Sie den Schritt in gesunde Tage.
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