
Wir haben mit den Fachärzten der Abteilung für Innere Medizin des Hisar Hospital Intercontinental darüber gesprochen, was wir über Ödeme nicht wissen...
Was ist ein Ödem?
Ein Ödem ist das Vorhandensein von mehr Flüssigkeit in der Haut und anderen Geweben, im Interzellularraum, als normalerweise vorhanden sein sollte. Die Körperflüssigkeiten befinden sich beim gesunden Menschen unter der Wirkung verschiedener Kräfte in bestimmten Bereichen. Die wichtigsten dieser Bereiche sind Blutgefäße, Zellen, Interzellularraum, Hirn-Rückenmarks-Raum, Bauchhöhle, Lunge, Herzbeutel und Gelenkinnenraum.
Die Körperflüssigkeiten werden unter der Wirkung verschiedener Kräfte dazu gezwungen, in diesen Bereichen zu verbleiben. Diese Kräfte sind:
Gewebewiderstand: Beschreibt die Integrität der Gewebe. Eine Störung der Gewebeintegrität aus irgendeinem Grund (Verbrennung, Schlag- oder Stoßverletzung, gefäßerweiternde Medikamente usw.) führt zur Verlagerung der Flüssigkeit und zur Entstehung eines Ödems. Zum Beispiel schwillt der Kopf an, wenn wir ihn irgendwo anstoßen. Die Ursache der Schwellung ist die Störung der Gewebeintegrität in diesem Bereich. Einige blutdrucksenkende Medikamente und Krampfadern führen auf ähnliche Weise zu einer Abnahme des Gewebewiderstands, und durch die Verlagerung der Flüssigkeit entsteht ein Ödem.
Onkotischer Druck: Der Druck, vor allem durch Albumin und andere Proteine, der dazu führt, dass die Flüssigkeit innerhalb der Blutgefäße gehalten wird. Nimmt die Menge an Albumin ab, sinkt der onkotische Druck; die Blutflüssigkeit, also das Plasma, tritt aus den Blutgefäßen aus und sammelt sich zwischen den Geweben, in der Bauchhöhe und in den Lungenfellen an.
Hydrostatischer Druck: Die Bezeichnung für den Druck, den Flüssigkeiten erzeugen. Befindet sich in einem Blutgefäß mehr Flüssigkeit als vorgesehen, beginnt die Flüssigkeit, den Widerstand der Gewebe zu durchbrechen, nach außen auszutreten und ein Ödem zu bilden. Infolge unzureichender Nierenfunktion sammelt sich Wasser im Körper an. Flüssigkeit sammelt sich in den Beinen, um die Augenlider, im Bauch, sogar in der Lunge und in anderen Geweben. Entwickelt sich außerdem eine Herzinsuffizienz, kann das Blut nicht ausreichend gepumpt werden, und die Flüssigkeiten treten unter der Wirkung des durch sie erhöhten hydrostatischen Drucks, vor allem in den Beinen, aus den Blutgefäßen aus, wodurch ein Ödem entsteht.
In welchen Erkrankungen entsteht ein Ödem hauptsächlich?
Die häufig anzutreffenden Ursachen für Ödeme sind:
Herzinsuffizienz: Wenn der Herzmuskel sich nicht ausreichend kräftig zusammenzieht, also eine Herzinsuffizienz entsteht, kann das Blut nicht in die Arterien gepumpt werden, damit es im Körper zirkuliert. Aufgrund der Schwerkraft kommt es zunächst um die Knöchel und in den Beinen, danach über den Hüften, im Bauchraum und weiter oben in der Lunge zu einer Flüssigkeitsansammlung, also zu einem Ödem. Setzt die Herzinsuffizienz akut ein, entwickelt sich das sogenannte Lungenödem, das unbehandelt tödlich verläuft.
Nierenerkrankungen: Wenn die Niere das Blut nicht ausreichend filtert, sich Wasser ansammelt und der hydrostatische Druck steigt, oder wenn Protein aus der Niere austritt (Glomerulonephritis, nephrotisches Syndrom) und dadurch der onkotische Druck sinkt, entsteht ein Ödem. Im ersten Fall entwickelt sich das Ödem, wie bei der Herzinsuffizienz, zunächst an den Knöcheln und Beinen. Bei Proteinverlust über die Niere entsteht zusätzlich zu den Knöcheln insbesondere morgens ein Ödem um die Augenlider und im Gesicht.
Lebererkrankungen: Bei Leberinsuffizienz, also bei der Leberzirrhose, sinkt der onkotische Druck, weil kein Albumin gebildet werden kann. Das Blutplasma tritt aus den Gefäßen aus und verursacht ein Ödem. Bei Zirrhosepatienten bildet sich in den Beinen und im Bauch eine deutliche Wasseransammlung, auch Aszites genannt.
Medikamente: Medikamente, die zur Einlagerung von Wasser und Salz im Körper führen und dadurch den hydrostatischen Druck erhöhen oder durch Erweiterung der Gefäßwände den Gewebewiderstand verringern, verursachen ein Ödem. Am bekanntesten sind einige Kalziumkanalblocker, die bei der Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, das weibliche Hormon Östrogen, Kortison und bestimmte Rheumamedikamente.
Krampfadern: Die Venen in den Beinen sorgen dafür, dass das Blut aus den Beinen zum Herzen zurückkehrt. Treten strukturelle Störungen auf, die diese Aufgabe beeinträchtigen, tritt die Blutflüssigkeit, also das Plasma, aus den Gefäßen aus und verursacht ein Ödem in den Beinen. Zusätzlich kann eine Phlebitis, die sich in denselben Venen entwickelt, zu länger andauernden Ödemen führen.
Lymphödem: Die Lymphe ist eine der im Körper zirkulierenden Flüssigkeiten, die nahezu den gesamten Körper durchströmt und in den Lymphgefäßen vorkommt. Wird der Lymphfluss aus irgendeinem Grund behindert, tritt die Lymphflüssigkeit aus den Gefäßen aus und verursacht ein Ödem. Im Unterschied zu Ödemen anderer Ursachen sind Lymphödeme hart; das heißt, sie geben auf Druck nicht nach. Die bekannteste Form ist das Ödem an den Armen bei Patientinnen, die wegen Brustkrebs operiert wurden. Außerdem kann eine Schädigung der Lymphknoten aus irgendeinem Grund, etwa durch Krebszellen oder andere Ursachen, ebenfalls zu einem Lymphödem führen. Besonders beim einseitigen Ödem eines Körperteils muss in Betracht gezogen werden, dass ein Krebsleiden vorliegen könnte, das den Lymphfluss stört, oder eine Raumforderung, die von oben auf die Lymphknoten drückt. Deshalb sollte eine Untersuchung erfolgen.
Weitere Ursachen für Ödeme:
Hypothyreose: Wenn die Schilddrüse unzureichend arbeitet, kann dies zusammen mit der Funktionsstörung vieler Organe zur Ansammlung bestimmter wasserbindender Substanzen im Körper führen und ebenfalls ein Ödem verursachen.
Prämenstruelles Spannungssyndrom: Dabei handelt es sich um periodisch auftretende Ödeme bei Frauen, die vor der Menstruation entstehen. Man nimmt an, dass sie durch ein Ungleichgewicht bei der Ausschüttung verschiedener Hormone entstehen. Es entwickeln sich 4-10 Tage vor der Menstruation Blähungen im Bauch sowie Ödeme mit Schmerzen in den Beinen, Armen und Brüsten. Dieser Zustand ist nicht nur wegen des Ödems wichtig, sondern auch, weil er die psychische Verfassung der Frauen beeinflusst. In diesen Zeiten neigen Frauen dazu, aggressiver zu sein und Fehler zu machen.
Schwangerschaft: Hier kommt es aufgrund hormoneller Veränderungen zu Wasser- und Salzeinlagerungen im Körper und zu verbreiteten Ödemen. Durch den Druck der wachsenden Gebärmutter auf die großen Venen im Becken entstehen zudem Krampfadern und Ödeme in den Beinen. Dies ist eine häufig anzutreffende Situation.
Rheuma: Bei den meisten rheumatischen Erkrankungen nimmt aufgrund des entzündlichen Prozesses die Flüssigkeitsmenge im Gelenk zu. Außerdem kann ein Ödem im weichen Gewebe rund um das Gelenk auftreten. Zudem können einige schwere rheumatische Erkrankungen die Nieren und das Herz beeinträchtigen und so durch Albuminverlust oder Wasser-Salz-Einlagerung zur Entstehung eines Ödems führen.
Zusammenfassend ist ein Ödem ernst zu nehmen. Insbesondere bei einseitigen Ödemen an den Gliedmaßen, bei ausgedehnten Ödemen und bei Fällen mit zusätzlichen Beschwerden muss unbedingt untersucht werden, ob eine systemische Ursache vorliegt.
Wie wird ein Ödem behandelt?
Zur Behandlung eines Ödems muss zunächst die Ursache ermittelt und behandelt werden. Im Allgemeinen ist der einfachste Weg, ein Ödem zu lösen, das Entfernen der Flüssigkeit aus dem Körper. Zu diesem Zweck verwenden Ärzte am häufigsten Diuretika, also harntreibende Medikamente. Es ist nicht richtig, dass Patienten selbst verschiedene harntreibende Substanzen einnehmen, um das Ödem aus dem Körper zu spülen. Die unkontrollierte Einnahme dieser Medikamente kann zu einem übermäßigen Flüssigkeitsverlust sowie zum Verlust von Elektrolyten, vor allem Natrium und Kalium, führen und den Patienten erheblich schädigen. Patienten, die gezwungenermaßen Diuretika einnehmen, müssen sich in regelmäßigen ärztlichen Kontrollen unterziehen und ihre Elektrolyte, insbesondere Kalium und Natrium, untersuchen lassen.
Gibt es pflanzliche Arzneimittel zur Verminderung von Ödemen?
Ja. Einige Kräutertees und Kräuter, die im Volksmund verwendet werden, können Wasser aus dem Körper ausschwemmen. Schwarzer Tee und Kaffee sind Substanzen mit harntreibender Wirkung. Sie sind jedoch nicht geeignet, um sie zur Ausschwemmung von Ödemen zu verwenden. Einige der Tees aus Salbei, Linde, grünem Tee, Johanniskraut, Anis, Rosmarin, Fenchel, Pfefferminze und Minz-Zitronen-Tee können Flüssigkeit aus dem Körper ausscheiden: ein Teil über den Harnweg, ein anderer Teil durch Anregung des Darms. Einige davon wirken darmregulierend, sodass sie Darmgase reduzieren und Blähungen im Bauch verringern können.
Wer jedoch ein Ödem vermutet, muss unbedingt einen Arzt aufsuchen. Der häufigste Fehler besteht darin, das Ödem als harmlose Beschwerde zu betrachten. Ein Ödem darf nicht einfach übergangen werden0. Da zugrunde liegende schwere Erkrankungen nicht auszuschließen sind, muss die Ursache des Ödems festgestellt und vorrangig behandelt werden. Andernfalls kann der alleinige Versuch, das Ödem durch wasser- und salzausschwemmende Substanzen zu behandeln, zu schweren Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts und zu Schäden für den Patienten führen.
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