
Lymphknoten sind knotenförmige Organe, die reich an Zellen des Immunsystems sind. Die Hauptaufgabe der Lymphknoten besteht darin, Mikroorganismen aus dem Kreislauf zu filtern, das Immunsystem bei seiner Funktion zu unterstützen und lokale (regionale) Verletzungen in ihrem Bereich mitzubehandeln, wodurch verhindert wird, dass sie sich im gesamten Körper ausbreiten. Im menschlichen Körper gibt es in der Regel 600 Lymphknoten mit einer Größe von meist 0,5-1 cm.
Ob ein Lymphknoten als krankhaft vergrößert gilt, hängt von seiner Lokalisation ab:
Im Kopf-Hals-Bereich (zervikal) über 1.5 cm (bei kleinen Kindern über 2 cm)
Ellenbogen-Lymphknoten (epitroklear) über 0.5 cm
Im Brustkorb (Mediastinum) und in der Leistengegend (inguinal) über 1.5 cm,
Im Bauchraum (Abdomen) über 2 cm.
Vergrößerungen der Lymphknoten entstehen meist infolge von Infektionen. Je nach Region:
Am häufigsten im Kopf-Hals-Bereich (%55),
Generalisiert (%25),
In der Leiste und im Bauchraum (%14),
In der Achselhöhle (%5)
Oberhalb des Schlüsselbeins (supraklavikuläre Region) tritt sie in %1 der Fälle auf.
Der wichtigste Hinweis zur Klärung der Ursache einer Lymphknotenvergrößerung ist die Anamnese des Patienten. In der Anamnese ist Folgendes zu erfragen:
Dauer der Lymphknotenvergrößerung,
Begleitende Befunde und Symptome (Fieber, Gelenk-/Knochenschmerzen, Ausschlag, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Juckreiz, Atemnot),
Innerhalb des letzten Monats durchgemachte Infektionen,
Reiseanamnese,
Tierkontakte,
Tuberkulose
Medikamenten- und Impfanwendungen müssen unbedingt erfragt werden
Der wichtigste Hinweis zur Klärung der Ursache einer Lymphknotenvergrößerung ist die körperliche Untersuchung. Dabei sind die Größe und Lokalisation des Lymphknotens, ob ein- oder beidseitig, ob er hart oder weich ist, ob bei der tastenden Untersuchung eine Fluktuation (Schwappen) besteht und ob die Lymphknoten miteinander verbacken sind, von großer Bedeutung. Die supraklavikuläre LAP hat die höchste Wahrscheinlichkeit, maligne (bösartig) zu sein, und muss stets als pathologisch betrachtet werden. Lymphknotenvergrößerungen werden hinsichtlich ihrer Dauer in drei Gruppen eingeteilt:
Akut (0-3 Wochen)
Subakut (3-6 Wochen)
Chronisch (länger als 6 Wochen)
Reaktive zervikale (Kopf-Hals-)Lymphknotenvergrößerungen infolge viraler Infektionen
Die häufigste Ursache zervikaler (Kopf-Hals-)Lymphknotenvergrößerungen sind virale Infektionen. Sie werden als Lymphadenitis bezeichnet. Therapie: Virale zervikale (Kopf-Hals-)Lymphknotenvergrößerungen erfordern in der Regel nur eine unterstützende Behandlung. Virale Lymphknotenvergrößerungen können sich jedoch im Laufe der Zeit in suppurative oder bakterielle Lymphknotenvergrößerungen umwandeln.
Akute bakterielle Lymphadenitis/Suppurative Lymphadenitis
Dies ist die zweithäufigste Ursache zervikaler Lymphknotenvergrößerungen im Kindesalter. Die Abgrenzung von viraler Lymphadenitis ist schwierig. Wenn sie sich innerhalb einer Woche nicht zurückzubilden beginnt, kommen bakterielle oder sekundär bakterielle Lymphknotenvergrößerungen in Betracht. Bei Bewegungen des Halses kann eine Einschränkung bestehen. Die Therapie der ersten Wahl ist Amoxicillin+Clavulansäure. Bei Patienten, die auf die Behandlung nicht ansprechen, können Antibiotika mit breiterem Spektrum eingesetzt werden (Vancomycin, Ceftriaxon IV). Wenn das Fieber nach 48-72 Stunden Behandlung nicht abfällt und bei der körperlichen Untersuchung eine Fluktuation (Schwappen) vorliegt, muss an einen Abszess gedacht werden. Bei Abszessen gilt:
Ist der Abszess kleiner als 1x1 cm, ist keine chirurgische Drainage erforderlich, Antibiotika reichen aus
Ist er kleiner als 1,5-2 cm, kann eine intravenöse Antibiotikatherapie von mindestens 24-48 Stunden erforderlich sein.
Bei größeren Abszessen sollte eine Aspiration/Drainage (chirurgischer Eingriff) durchgeführt werden.
Subakute/chronische Lymphknotenvergrößerungen
Dauert eine Lymphknotenvergrößerung 3-6 Wochen, spricht man von einer subakuten Infektion. Die häufigsten Ursachen:
Katzenkratzkrankheit (B. henselae)
Toxoplasmose
Virale Infektionen (CMV, HIV)
Die Katzenkratzkrankheit wird durch den Erreger Bartonella henselae verursacht. Nach einem Katzenkratzer können die Lymphknoten, insbesondere in der Achselhöhle, sofort oder innerhalb von Wochen anschwellen. Sie kann sich spontan zurückbilden, kann aber auch die Gabe von Antibiotika (Azithromycin, Clarithromycin, Ciprofloxacin) erforderlich machen. Bei nicht ansprechenden Fällen kann eine chirurgische Resektion durchgeführt werden.
Bei zervikaler LAP können auch nicht infektiöse Ursachen auftreten. Diese lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen:
Angeborene (kongenitale) gutartige Halsmassen
Malignität (Krebs)
Sonstige nicht infektiöse Ursachen
Nicht jede Lymphknotenvergrößerung darf einer Infektion zugeschrieben werden; insbesondere bei länger bestehenden Lymphknotenvergrößerungen mit zusätzlichen Beschwerden müssen unbedingt maligne (krebsbedingte) Ursachen in Betracht gezogen werden. Bei Lymphknotenvergrößerungen im Kopf-Hals-Bereich bei Kindern liegt die Krebshäufigkeit bei etwa 2-5 %. Bei krebsbedingten Lymphknotenvergrößerungen im Kindesalter unterscheiden sich die Krebsarten je nach Altersgruppe:
Vor dem 6. Lebensjahr an erster Stelle stehen:
Akute lymphoblastische/myeloische Leukämie
Non-Hodgkin-Lymphom
Neuroblastom
Nach dem 6. Lebensjahr steht an erster Stelle:
das Hodgkin-Lymphom
Bei akuter lymphoblastischer Leukämie und akuter myeloblastischer Leukämie:
Eine generalisierte Lymphknotenvergrößerung ist häufig
Die Lymphknotenvergrößerungen verlaufen rasch und sind von derber Konsistenz
Begleitende Befunde sind meist vorhanden
Fieber, Blässe, Müdigkeit/Abgeschlagenheit, leichte Hämatomneigung, Nasen- und Zahnfleischbluten, Petechien (kleine Hautblutungen)
Bei Leukämien wird die endgültige Diagnose mithilfe von Knochenmarkaspiration/-biopsie und speziellen Tests, der sogenannten Durchflusszytometrie, gestellt.
Bei Lymphomen können dagegen derbe, gummiartige, schmerzlose Lymphknoten sowie sogenannte B-Symptome wie Nachtschweiß, therapieresistentes Fieber und Gewichtsverlust auftreten.
Indikationen für eine Biopsie
Viele Lymphknotenvergrößerungen lassen sich in kurzer Zeit behandeln. Bei einigen Lymphknotenvergrößerungen kann Ihr Arzt jedoch eine Biopsie veranlassen. Folgende Situationen erfordern bei einem Kind mit Lymphadenopathie eine Biopsie:
Verdacht auf Malignität (bei entsprechendem Verdacht aufgrund von Anamnese, körperlicher Untersuchung und begleitenden Befunden)
Lymphknotenvergrößerungen, die sich innerhalb von 4-6 Wochen nicht zurückbilden
Lymphknotenvergrößerungen, die innerhalb von 2-3 Wochen kontinuierlich weiter wachsen
Lymphknotenvergrößerungen über 2,0 cm, die nicht auf die Behandlung ansprechen
Vorhandensein von Befunden in Ultraschall oder Computertomografie, die an Krebs denken lassen
Zusammenfassend lässt sich sagen: Bei Kindern, die in der frühen Lebensphase viralen und bakteriellen Umweltreizen ausgesetzt sind, beruhen Lymphknotenvergrößerungen meist auf Infektionen. Die Behandlung kann unter Zusammenarbeit mit dem Hausarzt problemlos erfolgen. In sehr seltenen Fällen kann jedoch auch eine nicht infektiöse Ursache zugrunde liegen, was ebenfalls im Hinterkopf behalten werden sollte. Daher sind Ruhe bewahren, eine frühzeitige ärztliche Untersuchung und – falls erforderlich – auch eine länger andauernde Diagnostik, Behandlung und Nachsorge äußerst wichtig.
Beginnen Sie mit der richtigen Abklärung bei Lymphknotenvergrößerungen im Kindesalter
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Hinweis
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